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Qixxit war bei der Zukunftsschmiede Mobilität dabei

Veröffentlicht am 14.12.2015 um 09:45 in Mobilität im Wandel von db_ksc

?Digitalisierung wird den Verkehrsbereich in den kommenden Jahren vom Kopf auf die Füße stellen. Eine Mobilität 4.0 mit ähnlich entscheidenden Entwicklungen, wie sie die Massenmotorisierung mit sich brachte, kündigt sich an.? ? Mit diesem Zitat lud das InnoZ zur Zukunftsschmiede Mobilität ein. Zwei Qixxit Kollegen ? Katja Heid und Sascha Piehl ? fuhren Mitte November nach Berlin und diskutierten gemeinsam mit anderen Teilnehmern die Zukunft der vernetzten intelligenten Mobilität.

Zur Begrüßung stellte Dr. Tobias Miethaner von der Abteilung Digitale Gesellschaft des BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) heraus, dass nicht nur die technische, sondern auch die gesellschaftliche Vernetzung immer wichtiger wird. Danach wurde in verschiedenen Themenblöcken die Thematik Mobilität der Zukunft von vielen Seiten beleuchtet.

 

In Themenblock 1 ?Zukunft der vernetzten Mobilität? ging Prof. Dr. Knie vom InnoZ zunächst näher auf das Thema ?Digitaler Treibstoff? ein. Er stellte heraus, dass zukünftig die wachsenden Kapazitäten (Überdimensionierung an Autos, Bussen und Bahnen) geregelt werden müssen. Die Gesetzgebung agiert jedoch noch zu langsam und die Finanzierungsmodelle im Verkehrsbereich sind nicht mehr zeitgemäß.

Autos werden zu Gebrauchsgütern, deshalb muss der Mitfahrmarkt als Chance gesehen werden. Nicht ohne Grund sind frühere Pioniere in der Nutzung von Angeboten wie Carsharing, Mieträdern und Verkehrsmittelkombinierern in den Großstädten mittlerweile in der Überzahl. Man muss sich die Frage stellen, welche Schutzrechte in den klassischen Branchen wie Taxi und ÖV noch nötig sind und wie man diese ausgestaltet, damit sie zukunftsfähig sind und nachhaltige Mobilität fördern und nicht im Keim ersticken.

Während Prof. Dr. Knie die provozierende Aussage, dass das PBefG (Personenbeförderungsgesetz) komplett abgeschafft werden sollte, um neue Mobilität wie Uber und andere Arten der Mitfahroptionen zu ermöglichen, in den Raum stellte, war der Konsens des Plenums vielmehr, zu schauen, wo welche Angebote und Gesetze richtig genutzt werden können, um die Grundversorgung in Räumen ohne Überangebot an Mobilität nicht zu gefährden (z. B. Taxikrankentransporte und Schülerverkehr).

Fabien Nestmann von Uber ging im Anschluss näher darauf ein, dass Uber ein Kind der Digitalisierung ist und den Wunsch der Nutzer nach günstiger Mobilität bedient. Uber möchte vorhandene Ressourcen besser nutzen und bedient multimodales Verhalten. Er ging jedoch auch darauf ein, dass Innovationen oft nicht möglich sind, da die Gesetze sie verhindern. Er erachtet es als sinnvoll, Ziele per Gesetz festzuhalten. Dennoch wären die Formulierungen im Einzelfall sehr schwierig. Das PBefG kennt z. B. die Digitalisierung noch nicht und auch nicht die Rolle des Vermittlers. Er kommt zu dem Schluss, dass die Gesetze heute noch nicht technologieneutral ausgestaltet sind.

Einem anderen Thema ? nämlich neuen Kooperationen und Open Data im öffentlichen Verkehr ? widmete sich Angelika Simon vom Fahrgast- und Produktmarketing der S-Bahn Berlin. Sie stellte heraus, dass für die S-Bahn Berlin Twitter als Kommunikationskanal sehr gut funktioniert. Über diesen Kanal kommuniziere man vor Ort wichtige Informationen und trete mit dem Nutzer in Dialog. Dabei nutzen beispielsweise auch Transit, moovit und ÖPNV Störung die Daten des S-Bahn-Twitterkanals. Es gelten klare Regeln für die API Open Data, aber die Darstellung kann für die unterschiedlichen Abnehmer angepasst werden.

 

Auch im 2. Themenblock ?Ziele, Logik und Probleme des bestehenden Rechtsrahmens? wurde über die Grenzen und Hürden der Gesetzgebung diskutiert. Dr. Vanessa Wettner von der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller ging dabei näher auf den Unterschied zwischen Taxi, Mietwagen und Vermittlungstätigkeit im PBefG ein. Hier wurde schnell offensichtlich, dass das Gesetz nicht auf die neue Mobilität, wie sie z. B. Uber anbietet, eingestellt ist. Der Unterschied zwischen Taxi, Vermittlungsplattformen, Mietwagen und die entsprechenden Ausprägungen findet dort noch keine Berücksichtigung.

Peter Krämer, Leiter des OREG-Geschäftsbereiches Nahverkehr, stellte das Projekt ?Garantiert mobil!? vor. Dabei handelt es sich um eine Smartphone-App, die die Anschlussmobilität an den ÖPNV durch private Fahrtvermittlung und Taxis durch das gleiche Ticket herstellt. Für ihn bedeutet Integration und Intermodalität Mobilität aus einer Hand und zu einem Preis. Deshalb wird bei diesem Projekt versucht, Privatfahrer, Taxiunternehmer und den ÖPNV besser zu verbinden und im Idealfall auch ein einheitliches Ticket hierfür bereitzustellen. Bereits im Herbst 2016 möchte er dieses innovative Verkehrsmittelkonzept den Bewohnern der Odenwald-Region zur Verfügung stellen.

 

Themenblock 3 beschäftigte sich dann explizit mit den ?Anforderungen an einen zukunftsfähigen Rechtsrahmen?. Dabei wurde am Beispiel Carsharing durch Nils Reissig, Country Manager Car2Go, verdeutlicht, dass die Carsharing-Gesetzgebung auch mit den Änderungen und Ausdifferenzierungen des Carsharing-Systems mithalten müsse. Die Schaffung von Technologie- und Dienststandards sieht er dabei als erfolgskritischen Faktor in der Weiterentwicklung dieses Themas. Er erkannte, dass der Kunde multimodal unterwegs ist und deshalb keine Kannibalisierung des öffentlichen Verkehrs erfolgt. Deshalb braucht es aber auch aktive Kommunen, die Mobilität nachhaltig planen.

Patrick Kurth erläuterte am Beispiel MeinFernbus/Flixbus das Erfolgsbeispiel Fernbus. Durch die Neuregulierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und die geschickte Nutzung der digitalen Möglichkeiten konnte MeinFernbus z. B. seine Fahrgastzahlen von 200.000 im Jahr 2012 auf fast 20 Millionen im Jahr 2015 steigern.

Dass Wartezeiten ein entscheidendes Preisargument für das Taxi sind, erläuterte Prof. Dr. Thomas Wein. Durch die intelligente Nutzung von Apps, wie z. B. Bettertaxi und mydriver, müsse die Taxiorganisation nicht mehr punktuell über Taxizentralen erfolgen, sondern könnte lokal gesteuert werden. Das ermöglicht eine effizientere Nutzung der Kapazitäten und auch eine Steigerung der Verfügbarkeit. Er sieht eindeutig den Trend dazu, dass der Taxi- und Mietwagenmarkt ein digitaler Markt wird.

Prof. Dr. Alexander Eisenkopf sieht für den Taximarkt jetzt die Chance, sich einen neuen Markt mit zu erschließen. Dabei sollte er darauf achten, nicht den Aufsprung zu verpassen, wie die DB beim Fernbusmarkt. Der Markt solle sich jedoch erst einmal selbst organisieren. Sollte dies nicht funktionieren, dann könne es eine staatliche Neuregulierung geben.

 

Während des Abschluss-Panels trugen Thomas Jarzombek (Sprecher digitale Agenda CDU/CSU, MdB), Arno Klare (SPD, MdB), Jürgen Roß (Bereichsleiter Planung und Fahrgastinformation, VBB) und Michel Stumpe (CEO, Car Jump) neben Fabien Nestmann und Prof. Dr. Andreas Knie noch einmal die Ergebnisse des Tages zusammen. Dabei war sich die Mehrheit einig, dass die Digitalisierung alles verändern wird und schon vieles verändert hat ? und da muss die Gesetzgebung mitziehen.

Mit den Schlussworten von Prof. Dr. Knie fand die gelungene Veranstaltung einen würdigen und treffenden Abschluss:

?Wer eine Revolution will, darf nicht den König fragen! Das gilt auch für die Entwicklung künftiger Mobilität.?

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