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Die Mobilitätsstation - Mobilität vor Ort

Veröffentlicht am 23.02.2015 um 19:11 in Mobilität im Wandel von qixxit

Mobilität & Station ? dynamisch & statisch ? Bewegung & Ruhe.

Das Wortpaar "Mobilität & Station" scheint zunächst gegensätzlich, doch funktioniert das eine nicht ohne das andere. Start und Ziel unseres Weges werden durch Orte markiert, an denen wir ?Halt? machen. Losgehen, Einsteigen, Aufsteigen, Aussteigen, Absteigen, Umsteigen, Ankommen ? jede Station, ob die eigene Haustür oder der Fernbahnhof, ist Teil unserer Mobilität.

Digitale Mobilität und realer Raum

In Zeiten von Smartphones und mobilen Applikationen, so genannten ?Apps?, haben die meisten Menschen ihren digitalen Reiseberater immer griffbereit in der Tasche. Schnell mal die Verbindung von A nach B checken, ein Handy-Ticket buchen, oder das Carsharing Auto öffnen. Den individuellen Mobilitätsoptionen sind im großstädtischen Verkehrsdschungel oft keine Grenzen gesetzt ? auch der intermodale Reiseagent Qixxit bietet mit einem Klick viele Services rund um das Thema ?mobil sein?.

Doch Mobilität, also die Möglichkeit mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln und Mobilitätsservices von A nach B unterwegs zu sein, und der hieraus resultierende Verkehr braucht organisierte Räume in den hoch verdichteten Großstädten Deutschlands. So findet die bunte Welt der online gebuchten Verkehrsdienstleistungen in der ?Mobilitätsstation? ihr komprimiertes, physisches Gegenüber ? vielgestaltige Mobilität vor Ort, ganz real, zum Einsteigen und Losfahren!

Die Mobilitätsstation ? Vielfalt und Vernetzung

Die Mobilitätsstation ? auch Mobilitätspunkt genannt ? verknüpft unterschiedliche Mobilitätsangebote auf engem Raum. Nahverkehrshaltestellen und Bahnhöfe werden in Kombination mit anderen Services wie Carsharing, Mietradsystemen, Taxiständen, Fernbusterminals, Mitfahrgelegenheiten, Fahrradabstellanlagen, Ladepunkten für elektrifizierte Verkehrsmittel, Park&Ride und Bike&Ride Flächen sowie Informationszentralen zu Umschlagplätzen multimodaler Mobilität.

Wird die Station durch Stellflächen für Fahrzeugflotten ergänzt, handelt es sich zumeist um eine permanente Lösung. Hingegen können modulare Ansätze mit vordefinierten Bausteinen, wie beispielsweise im Rahmen des Pilotprojekts in Offenbach, flexibel an die Nachfrage vor Ort angepasst werden. Die Mobilitätspunkte schaffen in allen Ausgestaltungsformen immer eine räumliche Konzentration von Verkehrsleistungen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sowie komplementärer Mobilitätsservices und erleichtern somit den Wechsel zwischen den verschiedenen Fortbewegungsmitteln.

Mobilitätspunkte in Hamburg

Solche Stationen werden in Hamburg switchh-Punkte genannt und sollen das gleichnamige Mobilitätsangebot der Partner Hamburger Verkehrsverbund (HVV), Hochbahn, car2go und Europcar sinnvoll ergänzen.

Der erste switchh-Punkt in Hamburg am Berliner Tor bietet S-Bahn, Taxi, Carsharing, Leihräder, Fahrradgaragen und Servicestelle an einem Ort.

Der interessierte Kunde kann zusätzlich zu seinem HVV Zeitkarten Abonnement eine switchh Card für monatlich 10 Euro erwerben. Pro Monat gibt es hierfür 60 Freiminuten bei car2go, 1 Bonusstunde bei car2go black sowie 20 Euro Preisnachlass pro Anmietung bei Europcar Deutschland. An einem der sieben switchh-Punkte in S- oder U-Bahn Nähe kann der Kunde die Fahrzeuge der car2go und Europcar Flotten auf den hierfür gekennzeichneten Parkflächen anmieten und abstellen. Stadtrad-Leihstationen, Fahrradgaragen, Bike&Ride Anlagen sowie Taxistände sind ebenfalls Teil einiger Hamburger Mobilitätsstationen.

Die Entwicklung der switchh Kundenzahlen von Juni 2013 bis Oktober 2014 zeigt, dass sich die Anzahl der Kunden innerhalb eines Jahres (Juni 2013 - Juni 2014) mehr als versechsfacht hat.

Das multimodale Mobilitätsangebot switchh wurde im Jahr 2013 als Pilotprojekt ins Leben gerufen. Die Verlängerung ist bereits beschlossen, der Business Plan steht bis 2023 und die Eröffnung weiterer switchh Punkte ist geplant. Mit aktuell über 2500 Kunden ist switchh das derzeit erfolgreichste multimodale Mobilitätsangebot in Deutschland. Auf den switchh-Punkten verzeichnet der Carsharing-Partner car2go pro Monat zwischen 300 und 700 Fahrzeugbewegungen. Noch im Jahr 2015 möchte die Hamburger Hochbahn switchh für neue Partner zugänglich machen. Im Zuge dieser Marktöffnung können sich interessierte Mobilitätsdienstleister in einem offenen Auswahlverfahren um einen festen Platz im neuen Mobilitätsangebot bewerben.

Standortkriterien und Finanzierung

Doch welcher Prozess vollzieht sich bis zum Bau? Mobilitätsstationen entstehen auf öffentlichen Flächen, für deren Umnutzung ein Vertrag über Sondernutzungsrechte mit der zuständigen Verwaltungsstelle geschlossen werden muss. Ein Verfahren zur Baugenehmigung folgt, die Flächen werden in der Regel bisher unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Die Kriterien für die Standortsuche scheinen zunächst auf der Hand zu liegen: Hoch verdichteter Raum, Anschluss an den straßen- und insbesondere schienengebundenen Nahverkehr, ausreichend Flächenkapazität. Doch besonders in Bezug auf das letzte Kriterium stoßen viele Großstädte an ihre Grenzen. Fakt ist, dass in den meisten Fällen eine Umnutzung bereits bespielter Flächen stattfinden muss. Umso wichtiger ist daher ein hoher gestalterischer Anspruch, um nicht das Bild des Fremdkörpers im öffentlichen Raum zu erzeugen. Die Mobilitätsstation soll bewegen, aber im Idealfall auch Aufenthaltsqualität bieten und zum Ort für Kommunikation werden.

Die Städter wollen sich mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln fortbewegen, flexibel und ungebunden sein. Das urbane Zentrum bietet kaum Platz für ein eigenes Auto. Die Mobilitätsstation inmitten der Stadt soll durch ein räumlich konzentriertes Potpourri an Fortbewegungsmitteln eine überzeugende Alternative zum Autobesitz liefern. Dennoch werden auch Standorte in suburbanen Bereichen und reinen Wohnsiedlungen realisiert. Hier ist die räumliche Verdichtung geringer, die Nachfrage nach konzentrierten Mobilitätsangeboten aber dennoch hoch. Wie beispielsweise am switchh-Punkt im peripheren Hamburger Ortsteil Bergedorf. Hier wird häufig vom Paradox der leeren Mobilitätsstation gesprochen, denn die Parkplätze für die Carsharing Fahrzeuge stehen die meiste Zeit leer. Die Erklärung ist einfach: Der ab- und zufließende Carsharing-Verkehr ist nahezu ausbalanciert, die Fluktuation der Mietautos ist hoch.

Bei der Finanzierung von Mobilitätsstationen muss zwischen den Investitions- und den laufenden Betriebskosten unterschieden werden. Die Errichtung solcher Stationen wird in erster Linie durch öffentliche Gelder finanziert ? Investitionen in Höhe von 300.000 bis 400.000 Euro pro Mobilitätspunkt waren im Hamburger Pilotprojekt bisher Durchschnitt. Die Stadt Bremen hat bei der Installation ihrer mobil.punkte ? abgesehen von der technischen Infrastruktur für das Carsharing ? etwa die Hälfte der Gelder selbst finanziert, der Rest wurde durch Fördergelder des EU-Programms INTERREG bereitgestellt. Aktuell können interessierte Städte und Gemeinden Zuschüsse für Klimaschutzprojekte, unter anderem auch für die Errichtung von Mobilitätsstationen, beantragen. Die laufenden Betriebskosten sollen im Fall des Hamburger Konzepts langfristig durch die monatlich eingenommenen switchh card Gebühren in Höhe von 10 Euro gedeckt werden. In Bremen sind es die direkten Mieteinnahmen an den Stationen, welche zur Deckung der Kosten dienen.

Fazit

Raum und Verkehr gehören untrennbar zusammen. Die Städte leiden unter Raumknappheit, vor allem der ruhende Verkehr, also das parkende Fahrzeug, nimmt viel davon in Anspruch. Mobilitätsstationen werden immer wieder als potenzielle Lösung zur effizienteren Flächennutzung in urbanen Bereichen genannt. Darüber hinaus könnten sie durch den gebotenen Mobilitätsmix Anreize setzen, das eigene Auto abzuschaffen oder vom Kauf eines neuen Fahrzeugs abzusehen. In den suburbanen und ländlichen Regionen ist zu vermuten, dass Mobilitätsstationen die Betriebszeiten und Bedienungsgebiete im Nahverkehr ausweiten und flexibilisieren. Es bleibt jedoch abzuwarten, welche Ergebnisse die zukünftigen empirischen Untersuchungen zu Nutzungsmustern und Verhaltensänderungen liefern. Kann eine solche Umnutzung öffentlicher Flächen zur Änderung des Verkehrsmittelwahlverhaltens und letztendlich zur Verkehrsentlastung beitragen? Welche Mobilitätsservices sollten vor Ort angeboten werden, um diese Ziele zu erreichen? Eines ist jedoch schon jetzt klar: Die Mobilitätsstation ist ein Versuch, der unternommen werden sollte und Vielfalt in das Mobilitätsprofil eines jeden Nutzers bringen kann, hier und jetzt, an einem Ort!

 

Quellen: Gespräch mit switchh Projektpartner

www.werkstatt-stadt.de/de/projekte/212

Fotos und Grafiken: Hamburger Hochbahn AG

 
 Autorin 

Sophia von Berg

Sophia von Berg (@multi_mobility) ist Mobilitätsexpertin und Kennerin der 'New Mobility'-Szene. Im Rahmen ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit neuen Geschäftsmodellen für multimodale und vernetzte Mobilität. Die hier besprochenen Mobilitätsstationen bilden einen ihrer zentralen Interessenschwerpunkte.

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