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Der Fernbus kommt an!

Veröffentlicht am 04.08.2014 um 16:33 in Qixxit Reisetipps von nkollinger

Busse für die Fernreise sind nichts Neues, aber irgendwie schon. Ich kannte Langstreckenreisen im Bus in Deutschland bisher nur vom Klassenausflug oder der Kaffeefahrt. Dabei gibt es in anderen europäischen Ländern schon seit längerem ein dichtes Liniennetz. Seit einiger Zeit ist nun auch der Reisemarkt in Deutschland im Visier der Busbetreiber und es vergeht keine Woche, in der man nicht irgendwo von einer neuen Buslinie hört. Das neue Busangebot scheint offenbar gut anzukommen. Doch warum ist das so? Ist die Nation der Autofahrer nicht gleichzeitig auch das Land der Bahnfahrer und Weltmeister der Mitfahrgelegenheiten?

Haltestelle Lübeck/Berlin

Reisekette 

Für meine heutige Fahrt von Berlin zurück in das heimische Lübeck wage ich den Selbstversuch und nehme den Fernbus. Als routinierter Bahnfahrer muss ich zweimal hinschauen, als ich auf Google-Maps die Postionen des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB am Funkturm) in Berlin suche. ?Zentral? ist aus Kreuzberger Sicht was anderes. Nun gut, der ZOB ist mit der S-Bahn dann doch noch einigermaßen gut zu erreichen. Aber heute habe ich keine Lust auf die öffentlichen Verkehrsmittel und den damit verbundenen Fußmarsch mit meinem Reisegepäck. Mein Smartphone verrät mir jedoch, dass der ZOB noch gerade so in den Geschäftsgebieten dreier Berliner Carsharing-Anbieter liegt. Ich entscheide mich für ein Elektroauto, das steht gerade vor der Tür und schließlich werde ich heute ja noch genug Diesel verbrennen. Mein Plan geht auf und ich finde an diesem Sonntagabend problemlos einen Parkplatz keine 50 Meter vom ZOB. Bloß gut, denn ich habe die Berliner Verkehrsverhältnisse etwas unterschätzt und so bleiben gerade einmal fünf Minuten zum Umsteigen.

 

Busgeflüster

Pünktlich um 19.15 Uhr fährt der Fernbus los. Fünfzehn Euro habe ich bezahlt und damit ist es preislich wirklich eine gute Alternative zum ICE. Dafür dauert es aber auch deutlich länger. Eine Stunde und 45 Minuten beträgt der Unterschied ? Berlinverkehr exklusive. Doch ich sehe es gelassen, erhöht es doch meine nutzbare Arbeitszeit, von der ich heute einen Teil nutzen will, um andere Fahrgäste nach ihren Reisevorlieben zu befragen. Ich komme mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch.

Björn ist gerade auf dem Rückweg von einem Workshop für Start-Up-Gründer und der 19-Jährige kennt sich in Sachen Reisen aus. Noch bevor sein Studium im Herbst beginnt, will er ein Online-Flugportal auf die Beine stellen. Genau wie ich nutzt er die Reisezeit, um an seinem Projekt zu arbeiten. Er bastelt gerade an seiner Homepage, mit denen er erste Investoren von seiner Idee überzeugen will. Der moderne Reisebus hat WLAN, das bis auf Weiteres kostenlos genutzt werden kann. Zwar war es den größten Teil der Fahrt nicht besonders empfangsstark - das funktioniert im ICE meist besser. Immerhin aber war der Handyempfang ausreichend, um im Internet zu surfen.

Björn hat sich natürlich nicht wegen des WLANs für die Reise mit diesem Fernbus entschieden, sondern wegen des Preises. Seine zweite Wahl, sagt er, wäre ein Mitbewerber gewesen, danach die Bahn und an letzter Stelle die Mitfahrgelegenheit. Obwohl er im Besitz einer Bahncard 25 ist und es sehr schätzt, dadurch am Start- und Zielort den Nahverkehr umsonst nutzen zu können, war die Reise in diesem Fall zu kurzfristig und somit der Bahnpreis zu hoch. Und bei einer Mitfahrgelegenheit, muss man sich auf wildfremde Leute verlassen. Das ist ihm persönlich zu heikel.

Ich lasse Björn weiterarbeiten und setze mich auf einen der wenigen freien Plätze weiter hinten im Bus. Es dauert nicht lange und ich kann Sandra davon überzeugen, mir ein paar Fragen zur ihrer Fahrt zu beantworten. Bei ihr herrscht weniger Arbeitsplatzatmosphäre, dafür gehören MP3-Player und aufblasbares Nackenkissen offenbar zur Reise-Grundausstattung. Sandra arbeitet am Lübecker Uni-Klinikum und pendelt jedes Wochenende in ihre Berliner Heimat. Das neue Linienbusangebot kommt ihr da gerade gelegen, aber eigentlich fährt sie auch gerne Bahn. Denn einige Male stand sie mit dem Bus schon im Stau und dann werden es auch schnell mehr als vier Stunden Fahrtzeit zwischen Hanse- und Hauptstadt. Sandra nimmt immer dann die Bahn, wenn sie einen der Sparpreise ergattern kann.

 

Gute Fahrt 

Apropos Reisezeit. Heute erfolgt die Ankunft in Lübeck auf die Minute genau. Pünktlich um 23 Uhr biegen wir auf den Vorplatz des Lübecker Hauptbahnhofs. Nicht wirklich viel Spielraum, sollte auf der Strecke der Verkehr einmal nicht mitspielen. Bei einem solch engem Zeitplan, geraten die Busfahrer sicherlich schnell ins Schwitzen. Aber nicht heute. Der Busfahrer oder  ?Bus-Chauffeur? wie er über die automatische Bord-Ansage angekündigt wird, wirkte sehr gelassen und überaus freundlich und ist ganz offensichtlich von seinem Verkehrsmittel überzeugt: Bevor er Fernbusfahrer wurde, ist er jahrelang Linienbusse in der Schweiz gefahren, erzählt er stolz seinen Fahrgästen. Ich glaube es ihm und werde wieder mitfahren!

 

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